Cannabis und Krebs

Medizinisches Cannabis hat sich zu einer alternativen Behandlungsmöglichkeit für eine Reihe von Krankheiten entwickelt. So zum Beispiel für die Krankheit Parkinson und Diabetes. Nun stellt sich die Frage: Kann Cannabis bei der Behandlung einer so komplexen Krankheit wie Krebs helfen? In diesem Artikel werden wir die aktuelle Forschung zu Cannabis bei Krebs untersucht und erklärt.

von Laura Neuhofer  ∙ 27.10.2021

Jedes Jahr wird bei fast 2 Millionen Menschen in den USA und bei jährlich 4,6 Mio. Menschen in der Europäischen Region irgendeine Form von Krebs diagnostiziert. Dabei ist die Behandlung ebenso schwierig wie die Diagnose. Krebs kann überall im Körper auftreten, am häufigsten sind jedoch die Brust, die Lunge und der Dickdarm betroffen. 

Ein Überblick über die Forschung

Cannabinoide und andere in Cannabis-Verbindungen die in der Hanfpflanze enthalten sind, haben sich bei der Behandlung von Krebstumoren als wirksam erwiesen. Sowohl bei Studien an Menschen, als auch In-vivo-Studien (am Tier) haben gezeigt, dass medizinisches Cannabis, einschließlich der Pflanzenextrakte  und Hanf, ein nützliches Werkzeug im Kampf gegen Krebs sein können. 
 

Hier sind einige der wichtigsten Ergebnisse der Studie

Eine umfassende Studie aus dem Jahr 2020, die in der Fachzeitschrift Cancers veröffentlicht wurde, untersuchte die krebshemmende Wirkung verschiedener chemischer Verbindungen, die in Cannabis enthalten sind. 

Dazu gehörten bekannte Cannabinoide wie THC und CBD sowie die weniger bekannten CBG und CBN, aber auch wirksame Flavonoide und Terpene. Das Ergebnis der Forscher zeigte, dass Cannabis zwar wahrscheinlich nicht als alleinige Therapie erfolgreich sein würde. Dennoch könnten "viele der in Cannabis enthaltenen Verbindungen, Teil einer therapeutischen Lösung für Patienten sein die mit Krebs leben."
 

Cannabis oder seine weiteren Verbindungen werden von Krebspatienten häufig zur Linderung von Krebs Symptomen und Behandlung Nebenwirkungen eingesetzt. Hier ist jedoch die starke immunmodulatorische Eigenschaft von Cannabis zu erwähnen, welche im Zusammenhang der Therapie zu konstituieren ist. Um festzustellen, ob Cannabiskonsum während einer Immuntherapie die Therapieergebnisse beeinflusst, hat das Cancer Center 2020 eine prospektive Beobachtungsstudie durchgeführt, an der 102 (68 Immuntherapie und 34 Immuntherapie plus Cannabis) Patienten mit fortgeschrittenem Krebs teilgenommen haben. Alle Teilnehmer hatten mit einer Immuntherapie begonnen. Hier zeigte sich das der Cannabiskonsum mit einer signifikanten Verkürzung der Zeit bis zur Tumorprogression und der Gesamtüberlebenszeit korrelierte. Andererseits verringerte der Cannabiskonsum die therapiebedingten immunologischen unerwünschten Ereignisse. 


Weiter untersuchte die Forschergruppe auch die Möglichkeit, ob oder wie Cannabis das Immunsystem oder die Mikroumgebung des Tumors durch eine Veränderung des Endocannabinoidsystems beeinflussen kann. Dabei analysierten sie eine Reihe von Endocannabinoiden und derene ähnlichen Lipiden im Serum. Vor und nach der Immuntherapie wurde der Probanden Spiegel  in beiden Gruppen gemessen. Die Spiegel des Endocannabinoidsystems und des Endocannabinoids-ähnlichen Lipide im Serum zeigten vor der Immuntherapie keine signifikanten Unterschiede zwischen Cannabiskonsumenten und Nichtkonsumenten. 

Insgesamt hat der Cannabiskonsum beträchtliche immunmodulatorische Wirkungen, und seine Verwendung bei Krebspatienten muss aufgrund seiner potenziellen Auswirkungen auf das Immunsystem, insbesondere während der Behandlung mit einer Immuntherapie, sorgfältig abgewogen werden.

Eine andere Studie stellte fest, dass Linalool, ein in Cannabis häufig vorkommendes Terpen, die Lebensfähigkeit von Mundkrebszellen verringert. Trotz des Verbots des Cannabiskonsums in den meisten Teilen der Welt ist in den letzten Jahren das Interesse an der Nutzung der gesundheitsfördernden Wirkungen der aus der Cannabispflanze gewonnenen Stoffe wieder erwacht. Ziel dieser Studie von Ava Bachari et al. war es daher in erster Linie, die Erkenntnisse aus In-vivo-Studien über die Auswirkungen von Cannabinoiden auf Melanome zu überprüfen. 

Limonen, ist ein häufig vorkommendes Terpen in Cannabis welches eine krebshemmende Wirkung zeigte, indem es die Tumorvergrößerung verringerte und das Wachstum von Blasen- und Dickdarmkrebszellen unterdrückte.

Des weiteren zeigt die Studie das CBD, ein nicht toxisches Cannabinoid aus Hanf, die Metastasierung von Lungenkrebszellen hemmt. Ein synthetisches Medikament auf Marihuanabasis, half, die Übelkeit bei Patienten zu verringern, die sich einer Chemotherapie unterzogen, und reduzierte gleichzeitig die Lebensfähigkeit von Leukämiezellen.
 

Neues Positionspapier zur Lage in Deutschland

Eine Kommission der Deutschen Schmerzgesellschaft „Cannabis in der Medizin“ hat 2019 ein Positionspapier zu medizinischem Cannabis und cannabisbasierten Medikamenten in der Schmerztherapie veröffentlicht. Dabei handelt es sich um Empfehlungen für Ärzte, Patienten und andere Beteiligte, die auf Schlussfolgerungen aus der vorliegenden Studienlage zum Thema Cannabis zur Schmerzbehandlung und auf dem klinischen Konsens der Wissenschaft beruhen. Diese kommen zu dem Schluss, dass der derzeitige Wissensstand bezüglich der Verwendung von cannabisbasierten Medikamenten bei chronischen Schmerzen und besonders beim Einsatz von medizinischem Cannabis noch unzureichend ist.

Nach Ansicht von Prof. Hübner überwiegt bei der Risiko-Nutzen-Analyse der Behandlung von chronischen Schmerzen mit medizinischem Cannabis und cannabisbasierten Medikamente derzeit. 

“Ausgenommen ist hierbei die palliative Situation mit einer Vielzahl und Kombination von verschiedenen Symptomen, in der die Verwendung von medizinischem Cannabis und cannabis basierten Medikamenten durch erfahrene Mediziner begleitet wird“, räumt Prof. Hübner ein. 

Die Autor*innen des Positionspapieres erwarten zukünftig eine Verbesserung der Datenbasis, z.B. durch die vermehrte klinische Anwendung und die vorgeschriebene Dokumentation sowie Auswertung der Patient*innendaten.

 

Das Fazit zu Cannabis und Krebs

Medizinisches Cannabis hat sich als hilfreiche Zusatzbehandlung erwiesen, wenn es darum geht, krebsbedingte Schmerzen und durch Chemotherapie verursachte Übelkeit zu lindern und die Lebensqualität einiger Patienten insgesamt zu verbessern. Jede Krebsdiagnose ist einzigartig, und die Patienten sollten die Möglichkeit von medizinischem Marihuana mit ihren Ärzten besprechen, bevor sie eine Kur beginnen.

 


 

Quelle: 

  • https://www.euro.who.int/de/health-topics/noncommunicable-diseases/cancer/
  • https://www.euro.who.int/de/media-centre/events/events/2020/02/who-european-conference-on-screening
  • https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/nebenwirkungen-der-therapie
  • Hoch, E., Friemel, C. M., & Schneider, M. (Eds.). (2018). Cannabis: Potenzial und Risiko: Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Springer-Verlag.
  • ​​Hauser W, et al., Efficacy, tolerability and safety of cannabis-based medicines for cancer pain: A systematic review with meta-analysis of randomised controlled trials. Schmerz, 2019. 33(5): p. 424-436.DOI: 10.1007/s00482-019-0373-3
  • https://www.mdpi.com/2072-6694/12/9/2447
  • https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32839414/