THCA und THC: Was ist der Unterschied?

Das Potenzial von rohem, frisch geernteten Cannabis ist zwar groß, aber das bekannteste und berauschendste Cannabinoid der Pflanze, Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC), ist praktisch nicht enthalten. Allerdings gibt es eine Fülle von Tetrahydrocannabinolsäure (THCA), einer inaktiven Verbindung, die in den Trichomen lebender Cannabispflanzen zu finden ist. Wenn du verstehen willst, warum man durch THC und nicht durch THCA high wird, wie Cannabinoid-Säuren in Cannabinoide umgewandelt werden und warum manche Roh-Cannabis als Superfood betrachten, haben wir hier die richtigen Antworten für dich.

von Laura Neuhofer  ∙ 09.11.2021

Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) ist die Vorstufe von dem psychoaktiven Cannabinoid THC. Verschiedene Studien legen nahe, dass THCA ein therapeutisches Potenzial bei neurodegenerativen und entzündlichen Erkrankungen haben könnte

 

​​Warum macht THC uns high und THCA nicht?

Der ausschlaggebende Grund liegt in der Form des THCA-Moleküls. Es handelt sich dabei um ein größeres Molekül, das nicht zu bestimmten Cannabinoid-Rezeptoren, insbesondere den CB1-Rezeptoren, passt. CB1-Rezeptoren findet man vor allem im Gehirn, im zentralen Nervensystem, in der Lunge, der Leber und den Nieren. Damit ein Cannabinoid eine berauschende Wirkung hat, muss es auf einen CB1-Rezeptor passen.

In der Cannabispflanze werden Hunderte von Cannabinoiden produziert, die chemischen Verbindungen, die für die potenziellen therapeutischen und psychoaktiven Wirkungen von Cannabis verantwortlich sind. Jedoch tragen nur einige wenige Cannabinoide zu dem euphorisierenden Rausch bei, der nur bei der Cannabispflanze auftritt. Das bekannteste, am meisten erforschte und begehrteste ist THC.

 

Welchen medizinischen Nutzen hat das Cannabinoid THCA?

Wenn es um die Cannabinoide THC und CBD geht, schreitet die Forschung schnell voran. Insbesondere zu dem nicht psychoaktiv wirkenden CBD gibt es inzwischen einige interessante Studien. Eine neue Studie gibt jedoch Hinweise darauf, dass Tetrahydrocannabinolsäure ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.

Das „saure“ Cannabinoide ein therapeutisches Potenzial und medizinische Vorteile für die Gesundheit haben können, konnten beispielsweise Forscher der University of California im Jahr 2016 bestätigen. In der Einleitung heißt es, dass THCA im Gegensatz zu THC beim Menschen keine psychoaktive Wirkung hervorruft und aus diesem Grund möglicherweise sein pharmakologischer Wert für die Medizin häufig vernachlässigt wird.

Darüber hinaus deuten die mit Tetrahydrocannabinolsäure durchgeführten Untersuchungen darauf hin, dass diese Verbindung bei Nagetieren pharmakologische Wirkungen ausübt, wahrscheinlich durch die Aktivierung von den Cannabinoid-Rezeptoren 1 (CB1). Obwohl diese Ergebnisse aufgrund des Mangels an Cannabinoid-bedingter Psychoaktivität als kontraproduktiv erscheinen mögen, liefert eine sorgfältige Durchsicht der verfügbaren Literatur eine plausible Erklärung für dieses Rätsel und weist auf neue therapeutische Perspektiven für rohe, nicht erhitzte Cannabispräparate beim Menschen hin.

 

 

THCA - ein Superfood?

Ähnlich wie Avocados, Grünkohl, griechischer Joghurt, grüner Tee und Knoblauch hat rohes Cannabis das Potenzial, Arthritis, chronische Schmerzen, Fibromyalgie und andere Beschwerden zu lindern. Einige betrachten frisches, nicht verarbeitetes oder erhitzes Cannabis als wahres Superfood.  Vielleicht hast du schon davon gehört, dass man Cannabis entsaftet oder rohes Cannabis in Smoothies gibt, um die Gesundheit zu verbessern. 

THCA wird eine Reihe von medizinischen Vorteilen zugeschrieben, und es wird häufig als Nahrungsergänzungsmittel und zur Verbesserung der Ernährung aufgrund der folgenden Eigenschaften verwendet:

Neuroprotektivum

THCA ist ein hervorragendes Neuroprotektivum. Einfach ausgedrückt heißt das, dass es vor dem Verlust von Neuronen schützt und die neuronale Struktur bewahrt. Dies ist entscheidend, wenn wir an gesundheitliche Probleme denken, die mit zunehmendem Alter auftreten. Darüber hinaus kann es auch dazu beitragen, das Hungergefühl der Patienten anzuregen, was für Menschen, die Medikamente einnehmen und tagsüber nicht genug essen, von entscheidender Bedeutung sein kann.

Entzündungshemmend

Eine neue Studie gibt jedoch Hinweise darauf, dass Tetrahydrocannabinolsäure ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften besitzt. Die Wissenschaftler untersuchten die entzündungshemmende Wirkung von Cannabis-Extrakten. Die Wissenschaftler führten zusammenfassend, dass die entzündungshemmende Wirkung von Cannabis-Extrakten auf die Dickdarmepithelzellen vermutlich von einem Teil des Extrakts stammt, der THCA enthält und zumindest teilweise über einen Rezeptor vermittelt wird.

Aminosäuren & Terpene

Aminosäuren sind essentiell für die Aufspaltung von Proteinen in unserem Körper. Außerdem sind sie für die Zellfunktionen im Körper und in den Organen unerlässlich.

Alle Pflanzen enthalten Terpene, die werden auch als die ätherischen Öle der Botanik bezeichnet. Terpene helfen THCA, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, und können bei der Regulierung der THC-Menge helfen, die tatsächlich vom Körper absorbiert wird.

Die Forschung über die saure Form von THC namens Tetrahydrocannabinolsäure steht gerade am Anfang. Um eindeutige Aussagen zu einer möglichen Wirkung auf die Symptome verschiedener Erkrankung zu treffen, ist es noch zu früh. Denn bisher fehlen auch klinische Studien.


 



 

Quelle:

  • https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5731255/
  • https://cbdsloth.com/advice/cannabinoids/thca-benefits-everything-you-need-to-know-about-thca/
  • https://www.leafly.de/was-ist-thca-und-welchen-medizinischen-wert-hat-dieses-cannabinoid/