Endogenes Cannabinoid-System

Das endogene Cannabinoid-System ist ein Rezeptor-Ligand-System, das für die Wirkung der Cannabinoide im Körper verantwortlich und Teil des menschlichen Nervensystems ist. Der Begriff „endogen“ beschreibt Prozesse, die im Körper stattfinden und nicht auf äußere Einflüsse zurückgehen.

von Laura Neuhofer  ∙ 07.09.2021
Forscher
Forscher

Endogenes Cannabinoid-System 

Zum Ende des vergangenen Jahrhunderts setzte sich ein amerikanisches Forscherteam zum Ziel, die Interaktion zwischen den Wirkstoffe aus der Cannabispflanze und dem menschlichen Körper zu erforschen. Dabei entdeckte das Forscherteam bestehend aus: William Devane, Dr. Lumir Hanus und Raphael Mechoulam im Jahr 1992 schließlich, dass der menschliche Körper mit einem endogenen Cannabinoid-Rezeptoren-System (ECS) ausgestattet ist. Bis heute ist der genaue Wirkungsmechanismus dieses Systems noch nicht zur Gänze erforscht. Doch lässt sich absehen, dass eine Behandlung mit Cannabinoiden, die sich an diesen Rezeptoren ansetzen können, für viele Krankheitsbilder vielversprechende Aussichten bietet.
 

CB1 und CB2 Rezeptoren

Im menschlichen Körper gibt es innerhalb des Endocannabinoid-Systems zwei unterschiedliche Rezeptoren: CB1 und CB2. Die CB1 Rezeptoren befinden sich hauptsächlich an den Zellen des zentralen Nervensystems, während man die CB2 Rezeptoren hauptsächlich im Immunsystem befinden. Setzen sich bestimmte Agonisten an diesen Rezeptoren an, so werden in den Zellen bestimmte Funktionen freigesetzt. Um einen solchen Agonisten handelt es sich beispielsweise bei den Cannabis Wirkstoffen.

Die meisten CB1 Rezeptoren liegen im Gehirn und im Rückenmark. Werden sie durch die Cannabinoiden stimuliert, so wirken sie sich auf Schlaf, Emotionen und Appetit aus. Solche Rezeptoren, die sich an Nervenenden befinden, können hingegen auf das Schmerzempfinden wirken.

Bei der Stimulation von den CB2 Rezeptoren am Immunsystem wurde festgestellte, das diese mit der Produktion von entzündungshemmenden Stoffen beginnen und damit großen Einfluss haben,  wie der Körper eine Entzündung bekämpfen kann. Cannabinoide werden vom Körper selbst hergestellt und wirken beispielsweise auf das Schmerzempfinden, die Stimmung oder auch auf den Appetit.

Bis heute sind nur CB1 Und CB2 Rezeptoren bekannt. Forscher nehmen jedoch an, dass es noch weitere Rezeptoren gibt die eine ähnliche natürliche Wirkung wie die CB1 und CB2 Rezeptoren haben - dies verlangt jedoch noch intensiver Forschung.
 

Die Wirkung von Exocannabinoiden und Endocannabinoiden

Grundsätzlich kann also ein Unterschied zwischen Endocannabinoiden und Exocannabioniden festgestellt werden. Endocannabinoide sind Antagonisten, die vom Körper selbst produziert werden, während Exocannabinoiden von außen zugeführt werden, beispielsweise durch CBD Öl. Der Körper stellt die Cannabinoide aus Fettsäureverbindungen her, zu denen zum Beispiel Omega 3 gehört. Sie agieren als Botenstoffe für die Nervenzellen. 

Noladinether und Virodhamin sind einige dieser Cannabinoide, die der Körper selbst herstellt. Forscher sind sich heute jedoch der Tatsache bewusst, dass es noch eine unbekannte Anzahl von endogenen Cannabinoiden gibt, die bisher noch nicht bekannt sind, so dass ihre Wirkung auf den menschlichen Körper noch wesentlich größer sein kann, als man bisher weiß. Doch nimmt man heute bereits an, dass ein Mangel an Cannabinoiden im Körper sowohl zu physischen als auch zu psychischen Störungen führen kann.

Als Exocannabinoide kennt man heute die Cannabis Wirkstoffe THC und CBD. THC ist in der Lage, sowohl an den CB1, als auch an den CB2 Rezeptoren anzudocken, wo es als Antagonist wirkt. Die Wirkungsweise von CBD ist anders. Es unterbindet die Produktion des Enzyms, welches das körpereigene Cannabinoid abbaut, womit die Wirkung des Cannabidiol länger im Körper bestehen bleibt. 

Exocannabinoide werden heute bereits bei alternativen Therapien eingesetzt und konnten bei der Bekämpfung von chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose und bei der Verbesserung der Nebenwirkungen von Chemotherapie ausgezeichnete Erfolge erzielen. Auch im Bereich der Psyche wurden mit Exocannabinoiden gute Erfolge in Fällen von Epilepsie sowie Angststörungen erzielt.